Zur Startseite
  • Aktuelle Meldungen
  • Termine

Themen+Projekte

Stellungnahme zum Bründl-Park

Das Bauvorhaben widerspricht dem Testament von Frau Bründl!

20.10.2026

Bürgerpark. Bei diesem Begriff haben unterschiedliche Menschen unterschiedliche Bilder im Kopf. Die einen sehen beispielsweise eine mit Spielplatz bebaute Rasenfläche, die nächsten denken an eine Art naturnahen Englischen Garten. In der Regel bezieht sich die Bezeichnung auf eine größere, mehr oder weniger ausgestaltete Grünfläche mit Bäumen. An welche Art Park dachte Tamara Bründl, als sie ihr Erbe der Bürgerstiftung Fürstenfeldbruck vermachte? Und warum mischen wir uns ein?

Als Tamara Bründl am 12.12.2012 verstarb, vermachte sie ihr 5000 qm großes Parkgrundstück in Puchheim der Bürgerstiftung mit dem Zweck, dass dieses Grundstück als öffentlicher Park der Allgemeinheit dienen solle. Ferner konkretisierte sie, dass dem Grundstück das Baurecht zu entziehen und der Baumbestand zu schützen sei. Das Grundstücksolle „nach wie vor Mensch und Tier dienen, d.h. es müssen Igeln und Vögeln genügend Futter-, Rückzugs- und Brutplätze verbleiben“. Kinder dürfen sich sehr wohl aufhalten, aber ein Kinderspielplatz solle nicht gebaut werden. Aus Frau Bründls Testament geht klar hervor, dass ihr Grundstück nicht bebaut, sondern stattdessen die Natur erhalten bzw. mehr Raum bekommen soll. 

Wir geben der Natur eine Stimme und mischen uns ein

Aktuell plant die Bürgerstiftung Fürstenfeldbruck zwei 5 Parteien Wohnhäuser mit mind. 900qm Versiegelung zu realisieren. Die Argumentation ist, dass nur so die Pflege des Bründl-Parks sichergestellt werden könne. Die weiterhin hinterlassenen 1,5 Mio. Euro (heute 1,7 Mio. Euro) könnten die Pflege „auf ewig“ nicht sicherstellen. Allerdings ist folgendes klar: mit dem Bauvorhaben der Häuser plus den aktuellen Planungen der Wegeführungen des Parks und dem „notwendigen Spielplatz“ ist unausweichlich, dass der naturnahe Teil des Grundstücks stark reduziert wird und der aktuelle Zustand der dortigen Gehölzbereiche mit ihrer Tierwelt sich massiv verschlechtert. Frau Bründl wollte ihr gesamtes Grundstück mit den 5000 qm als Park dem Allgemeinwohl bereitstellen. In der Regel ist ein Park auch eine großflächige Anlage. 5000 qm sind da eher knapp bemessen und an der unteren Grenze. Wie viel wird nach der Bebauung für die Allgemeinheit übrigbleiben?

Wir sind der Meinung, dass dem Ansinnen der Stifterin Tamara Bründl in den vergangenen Jahren durch das „Nichts-Tun“ eher nahegekommen wurde als es mit den aktuellen Vorhaben möglich ist. Die Großbäume wurden ordnungsgemäß gepflegt, das Grundstück wurde in seinem naturnahen Zustand belassen. Die Linde in der Mitte des Grundstücks ist geschätzt 200 Jahre alt. 

Ziehen wir nun noch aktuelle Entwicklungen im Kontext des Klimawandels hinzu, so mutet Frau Bründls Testament geradezu weitsichtig an; denn eine 5000 qm Parkfläche mit altem Baumbestand wird eine wesentliche Kühleinsel im Stadtgebiet sein, etwas, nach dem im Rahmen des Hitzeaktionsplans geradezu gesucht wird. 

Was der Mensch davon hat, wo doch die meisten Bürgerinnen und Bürger in Puchheim einen Garten haben? Eben nur die meisten und nicht alle! Und auch nicht alle einen großen mit eigenem Kleinklima. Wir sehen den Genuss eines kühlen grünen Bürgerparks, der Naturbeobachtungen und Naherholung zulässt und eine Inspiration für Gartenbesitzer für naturnahe und lebensraumspendende Gartengestaltung sein kann. Dies würde sich wunderbar in die jahrzehntelangen Bemühungen der Stadt Puchheim eingliedern, die das Konzept „Essbare Stadt“ und naturnahe Gärten fördert. 

Den Park anders denken

Wir alle, Sie können den Park auch anders denken als mit gepflastertem Weg, Beleuchtung, Fahrradständern und Spielplatz, nämlich mit einem einzigen Weg mit wassergebundener Decke, nachts dunkel und ein Raum für Fledermäuse, in dem im Frühling unter Bäumen und Sträuchern Blausterne und Buschwindröschen blühen, in dem die Besucher von wenigen Bänken aus Vögel und Eichhörnchen beobachten und sich Anregungen für Blumenwiesen und Wildstaudenpflanzungen in gehölzbestandenen Gärten holen können.

Solch eine extensive Parkgestaltung, wie sie wohl auch Frau Bründl vorgeschwebt hat, ist finanziell deutlich günstiger und widerlegt das Argument, dass Bauen zur Finanzierung des Parks notwendig ist. Als Vision sehen wir ein Alternativkonzept, das auch noch andere Ideen beinhaltet: ehrenamtliche Leistungen, Umweltbildung, Stadtacker bzw. Naschbeete, ökologische Kreisläufe und Entwicklung zum Trittstein-Biotop. In Zeiten von Klimawandel und Artensterben sollten wertvolle Grünflächen innerhalb der Stadt schwerer wiegen als Baumaßnahmen – vor allem wenn diese entgegen dem Stifterwillen stehen! 

Wir, der BUND Naturschutz in Bayern e.V., fordern den sofortigen Stopp des Bauvorhabens, die Vorlage eines Alternativkonzepts zur Realisierung des Bründl-Parks, das dem Stifterwillen näherkommt und die würdevolle Achtung des Lebensabends des Ehepaars Schnell, so wie es Tamara Bründl für ihre Weggefährten testamentarisch festgehalten hat. Wir haben Herrn Lexhaller als Vertreter der Bürgerstiftung Fürstenfeldbruck bereits signalisiert, dass wir bereit sind unsere Kompetenzen zu bündeln und uns bei dem Alternativkonzept einzubringen.

Mit freundlichen Grüßen,

 

Jennifer Getzreiter
1. Vorsitzende der Ortsgruppe Puchheim im BUND Naturschutz e.V.