GENTECHNIK - GESUNDE ERNÄHRUNG - BIOKOST

Demonstration in Berlin am 19. Januar 2013

BN-Mitglieder unserer Kreisgruppe auf der Demo in Berlin
BN-Mitglieder unserer Kreisgruppe auf der Demo in Berlin; Foto: Rudolf Hanuschke-Ende, Schöngeising

„Wir haben es satt! Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Jetzt!“ (http://www.wir-haben-es-satt.de/ ) – unter diesem Motto versammelten sich bei klirrender Kälte am 19.01.2013 rund 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland in Berlin. Auch aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck reisten zahlreiche Demonstranten an. Dies war in drei Jahren nun  schon die dritte Großdemonstration mit diesem Ziel bei ständig steigenden Teilnehmerzahlen. Getragen wurde der Aufruf zur Demonstration von über 30 Organisationen, unter anderem wesentlich auch vom Bund Naturschutz, von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter. Ziel der Demonstration ist eine neue Agrarpolitik. Gegenwärtig wird in vielen Tierfabriken der Tierschutz schwerwiegend verletzt. Die Massentierhaltung erzwingt zudem den großflächigen Einsatz von Antibiotika in den Ställen, wobei gefährliche Antibiotikaresistenzen entstehen. Kleinere Bauernhöfe müssen wegen der massiven Förderung der großen Agrarunternehmen aufgeben und Landschaften „vermaisen“ zu Agrarwüsten, in denen außer Mais kein Leben mehr möglich ist. Pestizide lassen die Bienen sterben und die Artenvielfalt nimmt rapide ab. Einmütig riefen die Demonstranten: Das haben wir satt! In der Abschlusskundgebung wurde gefordert: Wir benötigen eine neue Landwirtschaft, die nicht auf der Soja-Einfuhr aus Südamerika zulasten der dortigen Lebensmittelproduktion und zugunsten der Massentierhaltung in Deutschland beruhen darf. Die Landwirtschaftsministerin Aigner hat die Aufgabe, in der EU für unser Land eine entsprechende Umverteilung der finanziellen Zuschüsse auch im Sinne des Erhalts kleinerer Bauernhöfe, der Natur und des Tierschutzes einzuleiten.

Text: Reinhard Gatz und Gudrun Hanuschke-Ende

Veranstaltung von Zivil Courage

Am Mittwoch, den 24. Oktober 2012 fand in Lansberied die Veranstaltung "Raising Resistance" statt. Thematisiert wurden die Preise der Sojamonokulturen in Südamerika sowie Vertreibung und Hunger in Paraguay angesichts der vollen Futtertröge und Tanks in Europa. Die Filmvorführung mit anschließender Diskussion hat die Zivil Courage veranstaltet. Mit dabei war auch Gerónimo Arévalos, ein Kleinbauer und Aktivist aus Paraguay. 

Die Pressemitteilung können Sie sich hier herunterladen!

Das Bild zeigt von links nach rechts: Gudrun Hanuschke-Ende (ZivilCourage Fürstenfeldbruck), Bettina Borgfeld (Regisseurin), Steffi Holz (Journalistin, Ethnologin und Übersetzerin) und Gerónimo Arévalos aus Paraguay

Foto und Pressemitteilung von Rudolf H. Ende; 11/2012

Gentechnik

Demo gegen Gentechnik im Lks. Fürstenfeldbruck
Feldtafel "Genfreier Landkreis Fürstenfeldbruck"

Unsere Ziele zum Thema Gentechnik sind:

  • Wir wollen einen gentechnikfreien Landkreis Fürstenfeldbruck (beim Feldanbau und Nutztierfütterung)

  • Wir fordern eine Kennzeichnungspflicht aller gentechnisch veränderten Produkte und aller Produkte, die aus einer genmanipulierten Fütterung von Nutztieren stammen

  • Das Reinheitsgebots für das Saatgut muss erhalten bleiben

  • Keine Vergabe von Patenten auf Pflanzen und Tiere

  • Gentechnische Versuche im Landkreis lehnen wir ab

Vortragsveranstaltung der ZivilCorage FFB zur Agrarreform

Die EU-Agrarreform – hilft sie den Bauern,
Verbrauchern und der Natur?

Vortragsveranstaltung der ZivilCourage Fürstenfeldbruck
mit Lutz Ribbe am 20.03.2012 beim „Dorfwirt“ in Landsberied

Dank an Lutz Ribbe (Referent)
Foto: Rudolf H. Ende

„Ein Politikwechsel hin zu einer sozialen und ökologischen Neuorientierung in der Landwirtschaft ist notwendig.

Die EU-Agrarreform ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.“ Dies waren die Kernaussagen im Vortrag über die Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) von Lutz Ribbe, Mitglied des Wirtschafts- und Sozialausschusses der EU (EWSA), Direktor der Umweltpolitischen Abteilung der Stiftung Europäisches Naturerbe (euroNATUR) und Leiter der 2010 neu gegründeten „Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt“ (KLU).  

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Wir haben es satt!

Großdemo im Januar 2012 in Berlin
Großdemo im Januar 2012 in Berlin
Auftaktveranstaltung in München
Auftaktveranstaltung in München

In München fand am 14. Januar 2012  die Auftaktveranstaltung zur Großdemonstration  "Wir haben es satt" (am 21.01.12 in Berlin) statt.

Der Biobauer und Künstler Stephan Kreppold aus dem Landkreis Aichach-Friedberg hat sich an diesem Samstag, 14. Januar 2012, mit einem Traktor und einer selbst geschweißten, drei Meter großen und vier Tonnen schweren „Wir haben es satt!“-Skulpt(o)ur auf den Weg von München nach Berlin gemacht.

Ziel der Tour ist das Bundeskanzleramt, wo die Skulpt(o)ur am 21. Januar 2012 im Rahmen der Großdemonstration „Wir haben es satt!“ enthüllt werden wird. Diese Demonstration findet parallel zum internationalen Agrarministergipfel der „Grünen Woche“ statt. 

Grund der bäuerlichen Kunstaktion:
Die agrarindustrielle Landwirtschaft ist Kreppold ein Dorn im Auge. Deshalb will er für eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft und gesundes Essen demonstrieren und ruft die Verbraucher und Landwirte in Bayern zur Teilnahme an der Demo in Berlin auf.

Das Foto zeigt vor der „Wir haben es satt!“-Skulpt(o)ur in der Mitte Stephan Kreppold, neben ihm Uli Brand (ZivilCourage FFB, rechts) und Gudrun Hanuschke-Ende (BN und ZivilCourage FFB, links)

Hier ist der Pressebericht von unserer Fachgeschäftsstelle Nürnberg als PDF-Download

Gudrun Hanuschke-Ende (01/2012)

Gentechnikfreier Landkreis Fürstenfeldbruck

Überreichung der Feldtafeln; Foto: Agenda21-Oliching
Überreichung der Feldtafeln

Wir wollen einen "Gentechnikfreien Landkreis" in Fürstenfeldbruck!

In der Arbeitsgemeinschaft Zivilcourage Fürstenfeldbruck haben sich Kritiker der Agro-Gentechnik aus unserem ganzen Landkreis zusammengeschlossen.

Zivilcourage ist eine überörtliche Interessensgemeinschaft für Verbraucher, Landwirte, Imker, Umweltschützer, Direktvermarkter und Hersteller und Händler von biologischen und gentechnikfreien Lebensmitteln. Um die Öffentlichkeit über die Risiken und Folgen der Gentechnik zu informieren wurde im Juni 2009 die Zivilcourage FFB ins Leben gerufen.

Der Bund Naturschutz arbeitet in einem breiten Aktionsbündnis aus Imkern, Landwirten u. a. nach dem Vorbild der Initiative „ZivilCourage“ daran, einen agro-gentechnikfreien Landkreis zu schaffen, in dem gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) weder angebaut noch verfüttert werden dürfen.

Anlässlich eines Vortrags mit Peter Maske, Präsident des deutschen Imkerbundes (D.I.), organisierte die Arbeitsgemeinschaft Zivilcourage FFB zusammen mit der Bio-Imkerin Adelheid Maria Klein vom Arbeitskreis Gentechnikfreie Region (GfR) der Agenda 21 Olching die Feldtafeln „Gentechnik freier Landkreis Fürstenfeldbruck“.

Die Finanzierung tragen 14 Unterstützer, die auf der Feldtafel mit ihrem Logo benannt sind. Als Natur- und Umweltverband unterstützen auch wir die Feldtafel, da sich auch der Bund Naturschutz für die Werte eines gentechnikfreien Landkreises einsetzt. Als überregional arbeitende Verbände sind ebenso die vier deutschen Bio-Anbauverbände Bioland, Biokreis, Demeter und Naturland vertreten. Zu den weiteren Sponsoren gehören der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM), die Brauerei Maisach, die Agenda 21 Olching und regionale Lebensmittelerzeuger und -läden, wie z.B. Heckers Bioinsel aus Olching.

Petra Kotschi (01/2012)

FFeldtafel und T-Shirts beim Schleiferhof

Die Feldtafel erhalten Sie in unserer
Geschäftsstelle in Fürstenfeldbruck.

Oder beim Schleiferhof (www.schleiferhof.de)
Hier erhalten Sie mittlerweile auch die passenden T-Shirts dazu.

Mehr Informationen über Zivilcourage  erhalten Sie
auf der Website: www.zivilcourage.ro

Was können wir alle tun?

  • Fragen Sie beim Einkauf tierischer Produkte (Fleisch, Eier, Milchprodukte) nach, ob zur Fütterung gentechnikfreies Futter verwendet wird.

  • Fragen Sie bei Lebensmittelherstellern nach, ob die von ihnen verwendeten Zutaten GVO-frei sind und ob bei den tierischen Bestandteilen auf GVO-freie Fütterung geachtet wurde.

  • Kaufen Sie Lebensmittel mit der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“, die seit Mai 2008 für Hersteller möglich, aber nur freiwillig ist, bzw. fordern Sie diese.

  • Kaufen Sie Biolebensmittel und regional erzeugte Produkte wie „Brucker Land“.

  • Äußern Sie Ihren Wunsch nach gentechnikfreier Ware bei Lebensmitteln und auch Baumwollprodukten.

  • Informieren Sie sich bei jedem Saatguteinkauf –Gemüse, Blumen und anderen Pflanzen-, ob es sich um GVO-freies Saat- und Pflanzgut handelt.

  • Äußern Sie Ihren Unwillen gegen die Agro-Gentechnik vor Kommunalpolitikern und im privaten Umfeld.

  • Denken Sie bei den Europa- und Bundestagswahlen daran, den Parteien Ihre Stimme zu geben, die sich konsequent und nachhaltig gegen die Agro-Gentechnik einsetzen

Engagieren wir uns also gemeinsam für eine agro-gentechnikfreie Zukunft im Landkreis, in Bayern, in Deutschland ... Es ist noch nicht zu spät.


  Gabi Burkhart-Merkle und Gudrun Hanuschke-Ende (04/ 2009)

Informationen über Gentechnik

Eine gentechnikfreie Landwirtschaft und gentechnikfreie Lebensmittel

Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in unserem Essen fordert der Bund Naturschutz seit es die Technologie der Gentechnik gibt. Denn zu risikoreich und noch zu unerforscht sind die Auswirkungen der gentechnisch veränderten Organismen auf Menschen, Tiere und Pflanzen.

Kaum eine Technologie ist so umstritten wie die der gentechnischen Veränderung von Pflanzen und Tieren. Seit Jahren lehnen die europäischen Verbraucher in überwältigender Mehrheit (über 80 %) den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der Lebensmittelproduktion ab. Dessen ungeachtet werden von der EU-Kommission verschiedene GVO für den Import und die Verarbeitung von Lebensmitteln zugelassen. Für den kommerziellen Anbau ist zugelassen ist z.B. die insektenresistente Maislinie MON810, die ein aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis stammendes Toxin gegen den Maiszünsler bildet. In Bayern sind derzeit 67 Hektar für den Anbau ab April 2009 im öffentlich zugänglichen Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeldet.

Doch gerade dieser als Bt-Mais bezeichnete Mais ist hoch umstritten. Sein Anbau bedroht die gentechnikfreie Landwirtschaft und die Imkerei: Die riesigen Mengen an Bt-Maispollen werden durch den Wind verbreitet und führen zur gentechnischen Kontamination von Mais auf Nachbarflächen, Imker können ihren Honig nicht verkaufen, wenn er MON810 Pollen enthält. MON810 Mais gefährdet zudem Organismen, die nicht Ziel der gentechnischn Veränderung sind, z.B. Schmetterlinge. Über diverse Pfade wie Pollen, Wurzeln und anderes Pflanzenmaterial gelangen die gebildeten Bt-Toxine auf Nahrungspflanzen von Nichtzielorganismen und in Böden und Gewässer. Sie werden in der Nahrungskette weitergegeben und können sogar angereichert werden. Mit negativen Effekten auf die Artenvielfalt ist zu rechnen.

Argumente gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft:
Gentechnik-Pflanzen breiten sich unkontrolliert aus:

Wie oben schon erwähnt, werden die Pollen von Wind und auch den Bienen kilometerweit vertragen. Die Pollen wiederum übertragen die veränderten Gene auf herkömmliche Pflanzen. Dadurch wird die gentechnikfreie Landwirtschaft gefährdet. Wenn nur 0,3 % des Mais-Saatgutes verunreinigt ist, würden auf einem Acker dann 300 gentechnisch veränderte Pflanzen pro Hektar wachsen.

Agro-Gentechnik schadet der Umwelt:

Der Anbau von Gentechnik-Pflanzen, der meist in Monokulturen stattfindet, vernichtet die biologische Vielfalt und die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Das freigesetzte Gift, das Gentechnik-Pflanzen produzieren, schadet Insekten und Kleintieren und könnte sich in Boden und Wasser anreichern. Andere Gentechnik-Pflanzen wie zum Beispiel Roundup-Ready-Soja sind unempfindlich gegen ein bestimmtes Herbizid, damit der Landwirt nur noch dieses eine Herbizid braucht. Davon muss er jedoch langfristig immer mehr spritzen, weil auch Wildkräuter widerstandsfähig werden.

Agro-Gentechnik gefährdet die Artenvielfalt

Durch den Anbau von herbizidresistenten oder insektenresistenten Pflanzen finden Eingriffe in die Nahrungskette und die Artenvielfalt im Ökosystem Acker statt. Das ökologische Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen wird gestört. Die Zahl und Vielfalt der Wildkräuter auf dem und neben dem Acker wird reduziert. Für die davon abhängigen Insekten und Vögel sind die Folgen fatal; es wir ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen.
Weil bei der Agrogentechnik Ertragssteigerung und Produktivität im Vordergrund stehen, werden aus diesem Grund nicht so ertragreiche Arten ausgelesen. Jahrtausend alte Kulturpflanzen werden dadurch verdrängt und verschwinden für immer aus unserer Umwelt.

Gentechnik hilft nicht gegen den Hunger in der Welt:

Seit Jahrzehnten verspricht die Gentechnik-Branche immer neue Wunderpflanzen gegen Hunger und Krankheit. Geliefert hat sie bisher nichts. Denn nicht die Produktionsmenge, sondern die Verteilungsfrage ist der Schlüssel zu Hunger und Armut. Zudem handelt es sich beim überwältigenden Anteil der genmanipulierten Pflanzenarten um Tierfutter, welches in westlichen Ländern verfüttert wird. Eine wirkliche Lösung des Hungerproblems bietet eine ökologische und sozial gerechte Landwirtschaft, die den Menschen ihre eigene Existenz in allen Ländern unserer Erde sichert.

Die Wirkung auf die menschliche Gesundheit ist ungeklärt:

Langzeitstudien zur Wirkung von gentechnisch veränderten Pflanzen auf die menschliche Gesundheit gibt es nicht. Nur kurzfristige Effekte werden untersucht. Die Studien dazu führt hauptsächlich die Gentechnik-Industrie durch und die ist nicht neutral.

Agrogentechnik fördert den Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft:

Sie führt zu einer Monopolisierung der Nahrungsmittelerzeugung und damit zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit der Bauern von Großkonzernen.
Agrogentechnik ist nicht ausgelegt für die Bedürfnisse einer bäuerlichen Landwirtschaft.

Agrogentechnik-Patente schaffen Abhängigkeiten:

Durch die Patentierung von Gentechnik-Pflanzen versuchen Konzerne seit Jahren, die Kontrolle über unsere Lebensmittel zu erlangen. Landwirte machen sich strafbar, wenn sie ihr Saatgut selbst vermehren wollen. Vom größten Saatguthersteller Monsanto stammen 90 % aller Gentechnik-Pflanzen. Die Patentierung von gentechnisch veränderten Organismen und das Angebot von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln aus einer Hand machen die Landwirte zunehmend abhängig von wenigen großen Konzernen. Dadurch können Landwirte das Recht verlieren Saatgut aus eigener Ernte zu verwenden. Bekannte Beispiele dafür gibt es in Nordamerika.

Die Behauptung: Gentechnik ist schon überall

Die Gentechnik-Industrie und deren Lobby-Verbände behaupten immer wieder, das Gentechnik-Pflanzen bereits überall wachsen und unsere Lebensmittel nicht mehr ohne Gentechnik hergestellt werden können.
Dies entspricht nicht der Wahrheit! In Europa ist nur eine einzige Gentechnik-Pflanze, der Bt-Mais MON810 zum Anbau zugelassen.
2008 wurde in Deutschland nur auf einer Fläche von 3.171 Hektar Gentechnik Mais angebaut. Das ist 0,15 % der gesamten Mais-Anbaufläche in Deutschland. Das ist einerseits viel für uns die grundsätzlich keine Gentechnik weder auf dem Acker noch im Teller haben wollen. Andererseits ist ein Verbot des weiteren Anbaus noch möglich.

Die Behauptung: Gentechnik ist nur eine andere Form der Züchtung

Die herkömmliche Züchtung arbeitet nur mit Organismen der gleichen Art oder mit nahen Verwandten. Bei der Gentechnik wird Erbmaterial von Bakterien, Viren, Pflanzen, Tieren und Menschen isoliert und in andere Lebewesen übertragen. Dabei werden die natürlichen Artgrenzen überschritten. In einem gentechnisch veränderten Organismus ist das genetische Material also so verändert worden, wie es unter natürlichen Bedingungen nicht vorkommen würde.

Landwirtschaft ohne Gentechnik: Was können wir dafür tun?

Bei einer Podiumsdiskussion im November 2008 unter dem Titel „Gentechnikfreier Landkreis, wie können wir das erreichen?“ diskutierten zum Thema Marion Ruppaner, Agrarreferentin des Bundes Naturschutz, Johann Drexl, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Max Keil, Umweltreferent des Kreistags, Christian Streit, Brucker Land und Josef Asam, Biobauer und Geschäftsführer eines Futtermittelbetriebs. Moderiert wurde die Diskussionsrunde vom SZ-Journalisten Peter Bierl.

Während der Diskussion wurde deutlich, dass die Schaffung eines gentechnikfreien Landkreises nicht allein davon abhängt, ob gentechnisch veränderter Mais angebaut wird und die staatlichen Freisetzugsversuche im Landkreis endlich beendet werden, sondern wesentlicher Punkt ist die Fütterung der Tiere mit gentechnikfreien Futtermitteln. Dies erfordere neben politischem Engagement, die Forderung eines Einfuhrstopps von gentechnisch verändertem Soja aus Übersee, vor allem eine strukturelle und wirtschaftliche Veränderung. So stünden zwar gentechnikfreie Futtermittel zur Verfügung, diese seien aber wegen der Kontrollen teurer als die gentechnisch veränderten. Vor allem wegen der sinkenden Preise für Milch, so der Kreisobmann, können Milchviehhalter, die eh schon Verluste einfahren, keine höheren Preise für gentechnikfreie Futtermittel aufbringen. Soja könne man in Bayern problemlos anbauen, jedoch die flächen für den Futtermittelanbau werden weniger.

Die Teilnehmer des Podiums waren sich einig, der Erfolg versprechende Weg zum gentechnikfreien Landkreis Fürstenfeldbruck in einer regionalen Selbstversorgung liege. „Bis dahin“, so Marion Ruppaner vom BN, „können gentechnikfreie Futtermittel aus Brasilien importiert werden. Bei Schweinefleisch käme es zu einer Preiserhöhung von nicht mehr als zwei Cent pro Kilo“.

Wichtig ist aber vor allem, dass die Verbraucher mehr denn je darüber aufgeklärt werden, wie ihre Nahrungsmittel erzeugt werden und dass gesunde Lebensmittel ihren Preis haben. „Die Masse der Verbraucher entscheide sich leider in der Regel für das preisgünstigste Produkt, und günstiges Fleisch entstehe nun mal durch billig produziertes Futter, das meist aus Übersee kommt und gentechnisch veränderte Anteile enthält“, so ein Teilnehmer aus dem Publikum.

Als positives Beispiel wurde Österreich genannt, wo keine Gentechnik sowohl im Anbau als auch im Nahrungsmittelbereich verwendet wird. Österreich und auch Ungarn haben den Anbau von Gentechnik-Mais, MON 810 verboten und dürfen den Anbau dieser Maissorte auch weiterhin verbieten so ein jüngster Beschluss der EU-Kommission in Brüssel. Ursprünglich wollte die EU-Kommission die Länder zwingen, das Verbot aufzuheben, jedoch fand die Aufhebung des Verbots keine Mehrheit bei den Mitgliedern der Kommission. Auch Umweltminister Gabriel stimmte dafür, das Verbot aufrecht zu erhalten.

Gründung einer Aktionsgruppe gegen Agrogentechnik

Fazit aus der oben geschilderten Podiumsdiskussion war die Gründung einer Aktionsgruppe bzw. eines Bündnisses für einen gentechnikfreien Landkreis. An diesem Bündnis interessierte Teilnehmer der Veranstaltung konnten sich nach der Podiumsdiskussion in eine Liste eintragen.

Im Januar 2009 traf sich der Kreis der an einem Bündnis Interessierten zu einem „runden Tisch“ und besprach, wie man weiter verfahren sollte, um das Ziel, „gentechnikfreier Landkreis Fürstenfeldbruck“, zu erreichen.

Als wichtigste Schritte wurden genannt: Intensive Verbraucheraufklärung und Zusammenarbeit mit den Landwirten. Diese müssen in Zukunft die Hauptakteure sein. In ihrer Hand liegt es, ob gentechnikfrei angebaut wird oder nicht. In ihrer Hand liegt es, ob gentechnikfrei gefüttert wird oder nicht. Wenn sie nicht mitmachen, dann wird es schwer werden, in Zukunft Essen ohne Gentechnik auf den Tisch zu bekommen.

Die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz hat Christoph Fischer von der Zivil Courage Rosenheim zu einem Diskussionsabend in Landsberied eingeladen zum Thema „wo es keinen Ausstieg gibt, verbietet sich ein Einstieg“.

Christoph Fischer ist bekannt bayernweit geworden durch eine erst kürzlich stattgefundene Veranstaltung in Rosenheim mit der bekannten Gentechnikkritikerin und alternativen Nobelpreisträgerin Vandana Shiva aus Indien. 3500 Besucher kamen um Vandana Shiva und Christoph Fischer zu hören, die beide das Publikum beschworen, sich nicht von den Agrarkonzernen, die weltweit agieren, abhängig zu machen, denn dies würde den Untergang der bäuerlichen Landwirtschaft bedeuten.

Der Bund Naturschutz würde es begrüßen, wenn sich auch im Landkreis Fürstenfeldbruck nach dem Vorbild der Rosenheimer Zivil Courage eine Aktionsgruppe „gentechnikfreier Landkreis“ gründen würde. Dies muss allerdings in erster Linie von den betroffenen Landwirten ausgehen. Vielleicht inspiriert sie Christoph Fischer dazu.

Der Bund Naturschutz jedoch muss weiterhin die Verbraucher informieren, damit sie ihr Konsumverhalten überdenken, sowie politischen Druck auf die Entscheidungsträger ausüben.

Ausblick

Zu den in diesem Jahr stattfindenden Europa und Bundestagswahlen fordern wir als Wähler/innen und Konsumenten/Konsumentinnen

von der Europäischen Kommission und dem Europaparlament:

Zulassungsstopp für gentechnisch veränderte Organismen (GVO)Anbau- und Importverbot für GVOGesetzlich garantiertes Selbstbestimmungsrecht der europäischen Staaten für ein GVO-AnbauverbotDie Sicherung der gentechnikfreien RegionenReinheitsgebot für SaatgutKennzeichnungspflicht für Milch, Fleisch, Eier von Tieren, die mit GVO-Futter ernährt wurdenÜberarbeitung der EU-Patentrichtlinie – keine Patente auf Pflanzen und Tiere

von der Bundesregierung und dem Bundestag:

Aktives Eintreten für die oben genannten Forderungen in den EU-GremienVerbot der GVO-Maislinie MON810Keine Freisetzungen von GVOSchutz der Imkerei vor GVO-EinwirkungenSicherung der gentechnikfreien Produktion, Wahlfreiheit und Transparenz im deutschen GentechnikgesetzGesetzliche Absicherung einer vollständigen Haftungs- und Risikoübernahme durch Gentechnikkonzerne und –AnwenderKeine Forschungsförderung der Agrogentechnik

von der bayerischen Staatsregierung und dem bayerischen Landtag:

Aktives Eintreten für oben genannte Forderungen auf Bundes- und EU-EbeneEinsatz für ein gentechnikfreies BayernKeine GVO-Freisetzungen und keinen GVO-Anbau auf bayerischen StaatsgüternKeine Steuergelder für Pro-Gentechnik-Kampagnen in bayerischen Schulen, Universitäten und der Öffentlichkeit.

Die Kreisgruppe wird mittels Info-Ständen und Presseinformationen, insbesondere während des Europawahlkampfes, die Positionen des Bundes Naturschutz zur Agrogentechnik darstellen und die Verbraucher/innen über die Risiken der Agrogentechnik informieren.

Christa Spangenberg (01/2009)
Quellen:
Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur- und Landwirtschaft, Informationsdienst Gentechnik Berlin

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